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Schriftsteller
Egmont Colerus von Geldern
* 12. Mai 1888 in Linz
† 8. April 1939 in Wien

Egmont Colerus von Geldern wurde am 12. Mai 1888 in Linz geboren. Er stammt aus einer alten niederländischen Offiziersfamilie, die um 1750 aus Holland nach Österreich eingewandert war. Auch sein Vater war nach Familientradition Berufsoffizier und entsprechend der jeweiligen Garnison des Vaters verbrachte Egmont Colerus die Volksschulzeit in Preßburg und die Gymnasialzeit in Krems an der Donau. Die Kindheit in Preßburg floss spaeter in seinen Roman Matthias Werner ein, die Kremser Gymnasialzeit in den Roman Weiße Magier. 1906 legte er am Piaristengymnasium in Krems an der Donau die Reifeprüfung mit Auszeichnung ab. In Wien promovierte er am 19. Mai 1911 zum Dr.jur. und begann 1912 seinen Militärdienst abzuleisten, von dem er aber wegen einer Herzneurose vorzeitig entlassen wurde. Im Mai 1912 begann er als Rechtspraktikant. In dieser Zeit lernte er Blanca Nagy (geboren 23. Oktober 1895 in Lemberg), die Tochter einer mit seinen Eltern befreundeten Offiziersfamilie, kennen, mit der er sich 1914 verlobte. Im selben Jahr wurde Colerus in den richterlichen Vorbereitungsdienst übernommen, legte aber die Richteramptsprüfung nicht ab, weil er 1915 zur Landsturmdienstleistung einberufen wurde und bis zum Ende des ersten Weltkriegs an einem Divisionsgericht diente. Am 24. November 1917 heirateten Blanca Nagy und Egmont Colerus.

Während des ersten Weltkriegs erkrankte Colerus an Tropendysentrie, die aber erst 1919 erkannt wurde, als er um mehr als 30 kg abgemagert war. In dieser Zeit lebte Colerus von Privatstunden, die er Jus-Studenten gab. 1920 veröffentlichte Colerus seine ersten beiden Bücher Antarktis, das er bereits 1914 verfasst hatte, sowie Sodom, das er 1917 bis 1919 verfasst hatte. Als Colerus nach zwei Jahren wieder halbwegs arbeitsfähig war, trat er im Herbst 1921 hauptberuflich als Beamter ins österreichischen Bundesamt für Statistik, der heutigen Statistik Austria, ein. In dieser Zeit verfasste er weitere historische Romane, Sachbücher und auch Dramen. Seine Bücher schrieb er großteils in der Nacht, üblicherweise zwischen zehn Uhr und Mitternacht. 1930 wird seine Tochter Monica geboren; dieses Ereignis spiegelt sich in seinem Roman Maththias Werner im letzten Kapitel Das Gebet an der Wiege, das zugleich eine Vision des zweiten Weltkriegs beinhaltet. Ein von Dr. Walther Neugebauer geleiteter Kurs für höhere und statistische Mathematik, den er am Bundesamt für Statistik besuchte, erweckte in ihm die Liebe zur Mathematik. Um „die Abscheu vor der reinsten, fast möchte ich sagen, heiligsten aller Wissenschaften“ zu bekämpfen, schrieb er seine populärwissenschaftlichen mathematischen Sachbücher „Vom Einmaleins zum Integral“ und „Vom Punkt zur vierten Dimension“, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden und auch heute noch für den mathematisch interessierten Laien sehr lesenwert sind. 1938 ging er als Oberregierungsrat des Bundesamtes für Statistik in Pension. Am Karsamstag, 8. April 1939 starb Egmont Colerus unerwartet an einem Herzinfarkt. Wenige Tage vor seinem Tod tauchte das Gerücht auf, dass wegen seines judenfreundlichen Buches Der dritte Weg eine Anzeige gegen ihn erstattet werden solle.

Politisch immer zurückhaltend und — wie alle seine Werke erkennen lassen — weltanschaulich einem humanistischen Standpunkt zutiefst verbunden, ließ er sich 1938 von den Nazi-Kulturbehörden dennoch dazu bewegen, im „Bekenntnisbuch österreichischer Dichter“[1] den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zu begrüßen. Dieses Faktum reichte aus, ihn nach 1945 als politisch anrüchig der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. Erst in letzter Zeit beginnt man sich seiner wieder zu erinnern und seine Sachbücher neu aufzulegen.

Eine Anekdote über Egmont Colerus findet sich im letzten Kapitel von Friedrich Torbergs Die Tante Jolesch: Bei einem Schriftstellerempfang im Haus des Verlegers Paul Zsolnay tauchte die Frage auf, wie viele Juden es eigentlich gäbe. Nach einiger Diskussion einigte sich man auf 12 Millionen. Egmont Colerus schüttelte dazu den Kopf und kommentierte: Des is ausg'schlossen. Ich allein kenn mehr!

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