Lyriker von Weltgeltung, Prosaautor, Essayist.
Wuchs in Prag auf und besuchte 1886-91 die Militärschulen in St. Pölten und Mährisch-Weißkirchen sowie 1891/92 die Handelsakademie in Linz, studierte Kunst- und Literaturgeschichte sowie Jus in Prag, München und Berlin; ausschlaggebend für die Entscheidung zum Dichterberuf wurde 1897 die Begegnung mit Lou Andreas-Salomé.
1900 ließ sich Rilke in der deutschen Künstlerkolonie Worpswede nieder und heiratete 1901 die Bildhauerin Clara Westhoff. Nach Auflösung der Ehe (1902 Geburt der Tochter Ruth) übersiedelte er 1902 nach Paris und wurde 1906/07 Privatsekretär des Bildhauers A. Rodin in Meudon. Nach dem Bruch mit Rodin folgten weitere Wanderjahre, dazwischen lebte Rilke auf Schloss Duino bei Triest als Gast der Fürstin Marie von Thurn und Taxis, seiner wichtigsten Mäzenin. Hier entstanden die ersten "Duineser Elegien" (1922 fertig gestellt und 1923 veröffentlicht).
Im 1. Weltkrieg war Rilke kurze Zeit beim österreichischen Landsturm und im Wiener Kriegsarchiv tätig, ging dann nach München und in die Schweiz, wo er auf dem Schlösschen Muzot im Wallis eine neue Heimstatt fand. An Leukämie erkrankt, starb Rilke im Sanatorium von Val-Mont, seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof in Raron im Rhônetal.
Rilke war der einflussreichste deutschsprachige Lyriker in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bereits in seinen frühen Gedichtbänden "Das Buch der Bilder" (1902) und "Das Stunden-Buch" (1905) fand er zu einer suggestiven rhythmischen und bildlichen Sprache. Die literarischen Strömungen der Jahrhundertwende gingen in die Texte ein. Zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher überhaupt wurde die Novelle "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" (1906).
Bilder von Elend und Verfall bestimmen den Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" (1910), der als einer der ersten deutschsprachigen Romane der Moderne gilt und für den Autor die "Wasserscheide" zur Arbeit an seinem lyrischen Hauptwerk, den 10 "Duineser Elegien", markierte. In diesen reimlosen und in freier Rhythmik gehaltenen Gesängen fand er zur Überwindung des Impressionismus. Bis 1945 war die Wirkung Rilkes auf die zeitgenössische Dichtung außergewöhnlich stark; seine Sprach- und Formkunst blieb von seinen zahlreichen Nachahmern unerreicht